Frédérique Renno

Modernisierung und Europäisierung des deutschsprachigen weltlichen Liedes zwischen 1570 und 1650

Weitreichende Veränderungen sowie ästhetische Neuorientierungen zeichneten sich an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert sowohl in der Literatur als auch in der Musik ab. Tendenzen der volkssprachlichen Kunstlyrik (Emanzipation von der neulateinischen Poesie) wie auch Entwicklungen des Sololieds (Ablösung von der mehrstimmigen Vokalpolyphonie) begannen bereits im 16. Jahrhundert, blieben aber im Schatten von Opitz, dessen programmatische Reformen im Buch von der deutschen Poeterey 1624 zu einem epochemachenden Ereignis stilisiert wurden. Lyrik und Lied lassen sich um 1600 kaum voneinander trennen, da Lyrik in dieser Zeit in der Regel sangbar ist und entscheidend durch das weltliche Lied beeinflusst wird.
Der maßgebliche Beitrag des Liedes zum ästhetischen Wandel und zur Modernisierung der deutschsprachigen Lyrik (thematologische Erweiterung, Regulierungstendenzen in Metrik und Formen, Satzstruktur mit Tendenz zur Homophonie, italienischer Einfluss, Tanzsätze, musiko-literarische Kooperation etc.) soll anhand eines Analysekorpus von rund 5100 Liedern in etwa 310 gedruckten Liedsammlungen zwischen 1570 und 1650 nachgezeichnet werden. Vor dem Hintergrund dieser breiten Quellenbasis sollen in der interdisziplinär angelegten Studie die Lieder aus zehn ausgewählten Anthologien des deutschsprachigen Raums sowohl musik- als auch literaturwissenschaftlich analysiert werden, um so den Beitrag des weltlichen Liedes zur Modernisierung und Europäisierung der deutschen Literatur angemessen zu würdigen.

Schlüsselbegriffe: Frühe Neuzeit, Lyrik, Modernisierung, Europäisierung, ästhetischer Wandel, interdisziplinäre Studie, Liedanthologien, deutschsprachige weltliche Kunstdichtung

Erstbetreuung: Prof. Dr. Achim Aurnhammer

Vita

2016 Forschungsaufenthalt an der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel; Stipendiatin der Dr. Günther Findel-Stiftung

seit 2015 Stipendiatin der Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg

seit 2014 Dissertationsprojekt „Modernisierung und Europäisierung des deutschsprachigen weltlichen Liedes zwischen 1570 und 1650“ bei Prof. Dr. Achim Aurnhammer an der Universität Freiburg im Breisgau und Prof. Dr. Susanne Rode-Breymann (Hannover)

2013–2016 Wissenschaftliche Hilfskraft bei Prof. Dr. Achim Aurnhammer im SFB 948 „Helden, Heroisierungen, Heroismen“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

2007–2014 Wissenschaftliches Beifach Deutsch zum Künstlerischen Lehramt (Staatsexamen) an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Wintersemester 2012/2013 ERASMUS-Semester an der Universität Wien/Österreich

2006–2011 Schulmusik mit Hauptfach Violoncello (Künstlerisches Staatsexamen) an der Hochschule für Musik Freiburg im Breisgau

Publikationen

Lexikonartikel Raaber Liederbuch (mit Achim Aurnhammer), in: Frühe Neuzeit in Deutschland 1520–1620. Literaturwissenschaftliches Verfasserlexikon, Bd. 5, Berlin/Boston: De Gruyter 2016, Sp. 171–175.

Peter Hagius – Königsberger Poet und Lehrer Simon Dachs, in: Tagungsband zur internationalen Tagung zum 410. Geburtstag von Simon Dach (1605–1659) in Klaipėda/Litauen, hg. von Peter Tenhaef, Axel E. Walter (Greifswalder Beiträge zur Musikwissenschaft), Dr. i. V.

Giovanni Battista Pinello de Ghirardi und seine deutsche Liedsammlung Nawe kurtzweilige deutsche Lieder (1584) – ein Beispiel für italienisch-deutsche Liedkunst im ausgehenden 16. Jahrhundert, in: Tagungsband zur Jahrestagung des Wolfenbütteler Arbeitskreises für Renaissanceforschung in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel ‚Teutsche Liedlein‘ des 16. Jahrhunderts, hg. von Achim Aurnhammer, Susanne Rode-Breymann (Wolfenbütteler Abhandlungen zur Renaissanceforschung), Dr. i. V.

 

Zuletzt bearbeitet: 05.01.2017

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