Musik und Theater

Kaum ein Forschungsfeld bietet so vielfältigen Raum für Diskussionen um Gender-Fragen wie das Theater. Im Spiel, gerade auch mit (Geschlechter-)Rollen auf der Bühne, werden seit Entstehung der Oper die jeweiligen Geschlechterbilder der Zeit thematisiert und offenbart. Die jeweiligen Besetzungstraditionen in Oper und Sprechtheater sind mit diesen eng verknüpft.

Zudem stellen sich Fragen zur Professionalisierung des Theaterpersonals aus der Gender-Perspektive:   Die Theatergeschichtsschreibung der vergangenen Jahrhunderte erzählt vor allem von Komponisten, Libretto- und Dramenautoren, Regisseuren und Kapellmeistern, von Berufsfeldern, die auch heute noch als eine männlich dominierte Domäne gelten dürfen. Erst wenn es um die aufführenden Künste geht, erfahren wir mehr über Sängerinnen, Tänzerinnen und Schauspielerinnen. Die Ausbildungswege der Bühnenkünstlerinnen, ihre gesellschaftliche Positionierung sowie die Auswirkung ihres Sängerinnenprofils auf die von ihnen aufgeführten und teilweise für sie geschriebenen Werke werden anhand von Personalakten und Quellen, auch aus dem Archiv des Forschungszentrums Musik und Gender, untersucht. Erste Ergebnisse einer Vorlesungsreihe zu diesem Komplex sind in dem Band "Bühnenrollen und Identitätskonzepte: Karrierestrategien von Künstlerinnen im Theater des 19. Jahrhunderts" veröffentlicht.

An Rollenbildern, Gender-Konzeptionen und Professionalisierungsstrategien im Hinblick auf Musik und Bühne arbeiten unter anderem Nicole K. Strohmann für die Hannoveraner Hofoper um 1700, Maren Bagge für Sängerinnen im England des 19. Jahrhunderts sowie Antje Tumat für Schauspielmusik des 18. und 19. Jahrhunderts und die Oper des 20. Jahrhundert. 

 

Zuletzt bearbeitet: 19.12.2016

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