Zwischen Attraktion und Emanzipation. Postkarten aus der Sammlung des fmg als Zeugnis von Frauenbildern um 1900

Ausstellung im Foyer des Forschungszentrums Musik und Gender

Die Ausstellung zeigt einige Schmuckstücke der mehr als 460 Karten fassenden Sammlung historischer Bildpostkarten aus dem späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert am Forschungszentrum Musik und Gender. Dahinter steht die Frage, wie Bildpostkarten heute als musikhistorische Quellen genutzt werden können und was sie uns über die Frauenbilder der Zeit sagen. In ihrer Blütezeit waren sie als Massenmedium Teil der populären Kultur, allgegenwärtig, und von vielen Zeitgenossen gerne genutzt. Dadurch können wir heute Rückschlüsse auf die (musikalische) Alltagskultur, die Popularität einzelner Ensembles oder auf übliche Geschlechterrollen ziehen.
Der Bestand zeigt sehr unterschiedliche Inszenierungen von musikalischen Frauenensembles. In der Ausstellung sollen einige beispielhaft aufgegriffen und auf die ihnen zugrunde liegenden Frauenbilder hin untersucht werden.
Frauenorchester und -ensembles waren um die Jahrhundertwende oft neben bärtigen Damen und Schlangenmenschen eine Attraktion und wurden als Kuriosität vermarktet. Gleichzeitig boten sie den Frauen aber eine gewisse Freiheit im Rahmen der ihnen zugeschriebenen Geschlechterrollen. Sie konnten reisen und stereotyp eher Männern zugeschriebene Instrumente erlernen. Vielleicht konnten die „Damen“ sich durch die Freiheit der Instrumentenwahl musikalisch entfalten wie nie. Schließlich sind bis in unsere Zeit nur selten Tubistinnen oder Posaunistinnen in den Orchestern anzutreffen. Obwohl die Damenkapellen häufig das Spiel mit der Weiblichkeit als Attraktionsmaßnahme und Alleinstellungsmerkmal zur Schau trugen, waren sie für die musikalischen Frauen vor allem eine Möglichkeit, ihr Leben aktiv und selbstständig zu gestalten.

Konzeption der Ausstellung: Lisa Sohm

 
Gesangs-Ensemble Geschwister Weltenberg Rara/FMG Postkarten.50 © Archiv fmg

Zuletzt bearbeitet: 22.02.2019

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