Ausstellung
„… nicht für Frauenhände“? Pianistinnen und Komponistinnen im 19. Jahrhundert
Die Frau am Klavier – im 19. Jahrhundert war dies kein ungewöhnliches Bild. In einem bürgerlichen Haushalt durfte das Tasteninstrument seinerzeit nicht fehlen. Das Klavierspielen war fester Bestandteil der Mädchenerziehung, so dass die zukünftige Hausfrau und Mutter in der Lage war, sich am Klavier die Zeit zu vertreiben oder im familiären Kreis unterhaltsame Stücke vortragen zu können. So konnte sie dem passiven und anmutigen Ideal einer Frau entsprechen, für die der private Bereich als natürliche Sphäre vorgesehen war.
Frauen, die als Pianistinnen in der Öffentlichkeit standen und damit den Männern zugewiesenen Raum betraten, mussten sich mit diversen Vorurteilen auseinandersetzen. Kraftvolles Klavierspielen und Virtuosentum waren eindeutig männlich implizierte Fähigkeiten. Als Inbegriff von Männlichkeit galten die Kompositionen Ludwig van Beethovens, deren Interpretation Frauen daher am allerwenigsten zugetraut wurde und besondere Aufmerksamkeit erregte. Ein größeres Kompliment konnte die Musikschriftstellerin Marie Lipsius alias La Mara der Pianistin Sophie Menter insofern nicht machen, als sie 1887 schrieb: „Ich freue mich schon jetzt auf ihr Wiederkommen u. erwarte vom Es-Dur Concert unbeschreiblichen Genuß. Sie ist sicher die einzige Frau, die diesem Concert gewachsen ist, das Beethoven nicht für Frauenhände schrieb.
Noch weniger für Frauenhand geeignet als das öffentliche Klavierspielen war der zeitgenössischen Vorstellung zufolge das Komponieren. Es war über lange Zeit eine weitverbreitete Annahme, dass Frauen naturgemäß dazu nicht in der Lage wären, da ihnen die schöpferische Geisteskraft schlichtweg fehle. Wenn Frauen es denn doch taten und eine Komposition tatsächlich in die Öffentlichkeit gelangte, wurde diese selten unabhängig vom Geschlecht ihrer Urheberin gewürdigt.
Die Ausstellung zeigt Briefe, ein handschriftliches Albumblatt sowie historische Notendrucke und bietet Einblick in das Leben und Schaffen von Fanny Hensel, Luise Adolpha Le Beau und Clara Schumann.
Zu sehen ist die Ausstellung während der Öffnungszeiten des Forschungszentrums Musik und Gender. Sie sind herzlich zu einem Besuch eingeladen.
Konzeption der Ausstellung: Dr. Viola Herbst (Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungszentrum Musik und Gender)
Zuletzt bearbeitet: 15.04.2026
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