Musikerinnen im Porträt

Ausstellung im Rahmen des Seminars „Musik im Bild – Bild und Musik“ mit Bildquellen aus dem Archiv des Forschungszentrums Musik und Gender

Nicht nur durch Musikalien und wortsprachliche Quellen erfahren wir etwas über Musikgeschichte, sondern auch Sach- und Bildquellen geben uns Einblicke in die Musikkultur vergangener Jahrhunderte. Aber wie können Bilder als musikhistorische Quellen erschlossen werden? Was gilt es im Umgang mit musikspezifischen Bildquellen zu beachten? Was erfahren wir – über die auf den ersten Blick erkennbare Szenerie hinaus – über den historischen, gesellschaftlichen und musikalischen Kontext? Welche „Lesarten“ bieten die einzelnen Bildquellen?

Das Archiv des Forschungszentrums Musik und Gender bietet dazu mit Quellenmaterial zu Musikkulturen aus mehreren Jahrhunderten einen reichen Fundus an bisher noch unerschlossenem Bildmaterial, das im Seminar „Musik im Bild – Bild und Musik“ (Leitung: Maren Bagge) entdeckt und mit dem Fokus auf Darstellungen von Frauen und Frauenrollen in der Musikkultur ausgewertet wurde. Die Ergebnisse sind nun im Rahmen der Ausstellung Musikerinnen im Porträt mit insgesamt vier Themenschwerpunkten im Foyer des Forschungszentrums Musik und Gender zu besichtigen.

Sofie Menter – Darstellungen einer virtuosen Interpretin
In der ersten Vitrine wird die Pianistin Sofie Menter, die als erfolgreiche Liszt-Interpretin im 19. Jahrhundert bekannt war, mit Bildquellen näher vorgestellt, aber auch andere Musiker sind abgebildet. Es wurden zwei verschiedene „Musikgeschichten“ ausgewählt, die einen Einblick in die Musikkultur anhand von Bildern geben wollen: Hans Schließmanns Konzertierende Frauen in Wiener Musiksälen (1930) und Alexander Flamants Das Reich der Töne (1880). Schauen Sie selbst, wie unterschiedlich die Pianistin in beiden Publikationen dargestellt wird.
Konzeption: Martina Miedl, Norma Popinska, Chu Chu Qin

Wagners Frauengestalten
Geht man vom Sofie Menter etwas weiter, werden die Darstellungen von drei Frauenrollen aus Richard Wagners Opern und deren Rezeption in zwei ausgewählten Publikationen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zu Wagners Frauengestalten vorgestellt. Die drei ausgewählten Charaktere sind Elsa von Brabant (Lohengrin), Irene (Rienzi) und Isolde (Tristan und Isolde). Als Ausstellungsfläche wurde eine Säule gewählt, wobei sich jeweils eine Seitenfläche einer Frauenrolle widmet. Zu entdecken sind jeweils (a) eine kurze Information zur Figur und ihrer Entwicklung in der Oper, (b) quellenbezogene Charaktermerkmale, also Zuschreibungen, die sich aus den beiden ausgewählten Publikationen über den Charakter der Rolle entnehmen ließen, sowie (c) Rezensionen & Eindrücke der Aufführungen, die neben bildlichen Darstellungen der Sängerinnen der Uraufführungen auch Ausschnitte aus zeitgenössischen Kritiken enthalten.
Konzeption: Levente Balint, Dirk Hartmann, Eike Nehen

Hortense de Beauharnais als Künstlerin
Gegenüber der Säule zu Wagners Frauengestalten kann man etwas über Hortense de Beauharnais als Musikerin und Malerin erfahren. Sie war die Frau Louis Bonapartes, die Stieftochter Napoleon Bonapartes und die Königin von Holland und gehörte zu den gebildetsten Frauen ihrer Zeit. Es werden zwei Alben vorgestellt. (a) Das Livre d'art de la Reine Hortense zeigt eine Sammlung von Briefen, biographischen Skizzen, Bildern und Liedern der Hortense. (b) Das Album Romances mises en musique stellt eine Sammlung mit zwölf von ihr komponierten Romanzen und jeweils gegenüberstehender thematischer Aquatinta dar. Die enthaltenen Romanzen, eine Auswahl aus insgesamt 124, sind meist im Troubadour- oder Pastoral-Genre komponiert. Über einige Themen dieser Romanzen schrieben Johann Nepomuk Hummel und Franz Schubert Variationen.
Konzeption: Tae-Min Hyun, Ryun Ji Kim, Nicole Rudi

Grüße von Damenorchestern
In der letzten Vitrine, welche sich direkt rechts neben dem Eingang befindet, sind Bildpostkarten unterschiedlicher Frauenorchestern ausgestellt. Anhand dieses besonderen Quellentypes wird nicht nur auf die Stellung musizierender Frauen in der Gesellschaft eingegangen, sondern es werden auch die verschiedenen visuellen Inszenierungsstrategien der Damenensembles auf den Bildpostkarten beleuchtet. Drei unterschiedliche Typen finden sich in der Vitrine: (a) Einerseits stellten die Damenensembles ihre Weiblichkeit bewusst dar, (b) andererseits kokettierten sie aber auch mit männlichen Berufen und Betätigungsfeldern, wie z. B. dem Militär oder der Seefahrt. (c) Ebenso wurden aber auch die Darstellungen selbst durch männliche Charakteristiken verfremdet.
Konzeption: Seyda Köprülü, Magdalena Lessing

Wir laden alle herzlich zu der Ausstellung ein. Kommen Sie vorbei, entdecken Sie die Ausstellung und erfahren Sie Näheres zu allen vier Themenbereichen.

 
"am besten, wie Sie sehn, tut uns die Pfeife stehn" Die fidelen Schusterjungen Damen-Ensemble Austria, Quelle: Archiv fmg

Zuletzt bearbeitet: 28.01.2017

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